Viel Verwunderung wenn es um das Debakel Wirecard in den Medien geht. Hoch – und runter wird diskutiert wie denn derartiges passieren konnte. Dabei ist die Logik recht simpel, denn es ist passiert weil wohl keiner das Geschäftsmodell Wirecard wirklich verstanden hat. Weder Analysten, weder Aktionäre, weder die diversen Institutionen der  Finanzaufsichtsbehörden, noch die hochgebildeten Wirtschaftsprüfer. Besonders erschreckend hierbei? Nicht einmal die Wirecard Mitarbeiter, welche sich nach dem Desaster ebenfalls in die Schlange der verarschten Wirecard Opfer einreihen durften, haben die wundersame Geldmaschine Wirecard in Abrede gestellt oder hinterfragt.

Nun ja, liest sich alles mega erschreckend aber ist nun einmal so und lässt sich nicht ändern. Die Unwissenheit beschert dem Einen einen erheblichen Geldverlust, dem Anderen einen erheblichen Verlust an Glaubwürdigkeit und kostet den Mitarbeitern letztendlich den Job. Das ist die Erkenntnis aus dem Wirecard Debakel, ganz simpel ausgedrückt. Stellen wir uns dann einfach mal die Frage, womit und

Wie verdient Wirecard eigentlich Geld?

Okay, da gibt es einige legale Möglichkeiten und wie wir erfahren haben, wohl auch die ein – oder andere illegale Möglichkeit. Ich möchte jetzt hier lediglich die bekannten und somit legalen Möglichkeiten benennen Was die illegalen Möglichkeiten betrifft sollten die von der von der Staatsanwaltschaft München I ermittelt werden.

Das Standard Wirecard Geschäft

Wirecard fungiert als sogenannter Payment Service Provider. Auf gut deutsch transferiert Wirecard über eine eigens dafür geschaffene Technologie virtuelle Geldbeträge in Form von Kreditkartenzahlungen von einem Onlineshop/Marktplatz/Portal etc zum entsprechenden Kartenunternehmen (Visa, Master, Amex etc.). Wirecard sorgt dann letztendlich dafür, dass der Onlineshop/Marktplatz/Portal – Betreiber den transferierten Betrag auch erhält. Für genau diese Dienstleistung erhält Wirecard Gebühren.

Was ist das besondere an dem Wirecard Geschäftsmodell?

Oh, jetzt lehne ich mich weit aus dem Fenster und sage ganz simpel “Nichts”. Es ist wirklich kein Hexenwerk was Wirecard hier anbietet bzw. angeboten hat. Unzählige Mitbewerber tummeln sich auf dem deutschen, europäischen und somit auch globalen Markt. Vergleichbar ist die Dienstleistung von Wirecard evtl. mit einem Paketzusteller (KEP). Dieser sorgt auch dafür dass die Pakete seiner Kunden bei dessen Endkunden ankommen und damit das gelingt wird hierzu eigens installierte Umschlagplätze zwischen geschaltet. Und mal ehrlich, hätten jemand derartig naiv in eine KEP Aktie investiert? Mit Sicherheit nicht.

Was verdient Wirecard mit dem Geschäftsmodell?

Nicht viel, jedenfalls dann nicht, wenn man keine Masse generiert. Ein typischer Masse Generator in diesem Segment dürfte wohl Amazon sein und auf dem deutschen Markt Zalando. Beide, weder Amazon noch Zalando zählen zum Kundensegment von Wirecard. Je mehr Transaktionen und je höher die Ticketsize, desto mehr bleibt für Wirecard letztendlich als Umsatz hängen. Machen wir es einfach mal den Test mit dem “Wirecard Umsatz Test Kalkulator.

Der Wirecard Umsatz Test Kalkulator

Ok, nun sehen Sie was Wirecard mit einer Standard Transaktion an Umsatz generiert. Die Betonung liegt hier in der Begrifflichkeit Umsatz.

Erklären wir hier nun die einzelnen Felder.

Kaufpreis ist auch die sogenannte Ticketsize welcher der Endkunde zur Zahlung bringen möchte. Dafür erhält Wirecard ein sogenanntes Disagio. In der aktuellen Zeit liegt das Disagio zwischen 1,5 und 2,5%, was damit begründet ist, dass auch Wirecard interessante Konditionen offerieren muss, weil ja auch noch Mitbewerber vorhanden sind. Zusätzlich zum Disagio wird noch eine sogenannte Transkationsgebühr fällig. Aber auch diese liegt im untere 2stelligen Cent Bereich und wurde in unserem Kalkulator mit 25cent hinterlegt.

Das war es auch schon. Kein Hexenwerk. Hätte man nun mit simplen Durchschnittswerten und den gigantischen Wunderzahlen einige Vergleichsrechnungen ausgeführt und den Faktor Wettbewerb ebenfalls berücksichtigt, dann hätte man schnell merken müssen das etwas nicht so läuft wie es laufen sollte. Grundsätzlich konnte man den Eindruck erhalten, dass Wirecard ein einzigartiges Geschäftsmodell betreibt. Dem ist definitiv nicht so.

Anmerkung zur Position Disagio. Das Disagio richtet sich auch nach dem Risiko des entsprechenden Online Geschäfts. E-Commerce, Hotel – und Flugbuchungsportale können z.B.  eher mit geringem Risiko eingestuft werden, somit auch ein niedrigeres Disagio. Hat man nun aber Branchen im Portfolio die mit bestimmten Risiken oder Nachteilen behaftet sind (Glückspiel, Casino, Gambling, Adult), dann kann auch u.U, ein Disagio über 5% kalkuliert werden. Da sich Wirecard aber davon losgesagt hat, kann dieser Punkt mit Nichtbeachtung gestraft werden.

Der Sicherheitsbehalt

Im Wirecard Umsatzkalkulator ist der Sicherheitsbehalt nicht berücksichtigt. Mit Sicherheitsbehalt ist gemeint, dass Wirecard einen bestimmten Betrag der zur Auszahlung anstehenden Summe für einen bestimmten Zeitraum (2 bis 6 Wochen) und in einer Höhe von (20 bis 60% je nach Risiko-Einstufung) einbehalten kann.

Diese Beträge werden von Wirecard treuhänderisch verwaltet und nach Ablauf der Auszahlungssperre an den Höndler ausgezahlt. Diese Beträge können und dürfen natürlich auch nicht dem Wirecard Umsatz zugeordnet werden.

So, dieses zum Standard Produkt der Wirecard. Jeder kann sich nun selbst ausmalen oder besser ausrechnen wie viele Transaktionen Wirecard hätte ausführen müssen um nur ansatzweise an die verschwundenen 1.9 Milliarden Euro zu gelangen.

Weitere Wirecard Geschäftsfelder POS

Absolut überbewertet wurde der Bereich der sogenannten POS Zahlungen / Terminals. Gerade dieser Bereich ist hart umkämpft und fast schon zum Geld verdienen nicht geeignet. Besonderes erwähnt wurde bei Wirecard der Kunde “Aldi” und letztendlich muss man hier einfach simpel feststellen, dass es sich nur um einen großen Namen handelt aber in Sachen Umsatz und Gewinn eher zu vernachlässigen ist, jedenfalls wenn man mit gigantischen Zahlen prahlen möchte.

Aber gut, bleiben wir bei Aldi.

Das Unternehmen Aldi Süd hat im Geschäftsjahr 2018 einen Umsatz von knapp 16 Milliarden Euro erwirtschaften. Schaut man sich nun das Kaufverhalten bei Aldi an dann muss man feststellen dass der Anteil an Kreditkartenzahlungen und nichts anderes hat Wirecard tatsächlich abgerechnet, bei ca. 3% gelegen hat. Bleiben von 16 Milliarden ca. 534 Millionen Euro Umsatz welcher auf Kreditkarten Zahlungen zurückfällt. Ausgehend von einem Disagio von ca. 1,8% (TA Gebühren sind nicht bekannt) fließt hier ein ungefährer Jahresumsatz von 16 Millionen in die Wirecard Bücher. Auch hier ist man von einer Mega Summe in Höhe von 1,9 Milliarden weit entfernt und auch hier sprechen wir von Umsatz.

Natürlich muss man berücksichtigen dass dieses Beispiel nur auf Aldi geschätzt wurde. Sicherlich hatte Wirecard noch einige Kunden mehr im POS Portfolio. Aber aufzeigen sollen diese Beispiele dass nur Masse und Top Umsatzbringer gute Zahlen begründen können. Und ob WD diese geballte Kundenpower dann auch tatsächlich hatte, das ist aktuell ja eine unbekannte Größe.

Wirecard und Compliance contra Traumzahlen

Jeder Aktionär, jeder Prüfer und ja auch jeder Mitarbeiter hätte diese simple Mathematik auf simplen Schmierzetteln in ungefähre Zahlen bringen können. Aber man war erlegen dem Charme der Börse,  dem Charme der Investoren, dem Charme der Analysten und gar dem Charme der Politik. Ein austauschbares Produktportfolio, wenige Mehrwerte (bitte jetzt nicht den N26 Clone Boon Planet ins Boot bringen) und beseelt mit einer Arroganz ging man nun mit viel Teamgeist unter. Hätte man erkennen können, jetzt ist man leider schlauer.

Stellt sich die Frage ob ein internes, kompetentes Compliance Management hier erste ernstzunehmende Hinweise hätte liefern können? Diese Frage bleibt wohl unbeantwortet. Hat es überhaupt ein funktionierendes CMS im Hause Wirecard gegeben? Wenn ja, warum hat es nicht auf Unregelmäßigkeiten hingewiesen? An dieser Stelle möchte ich den Beitrag dann auch beenden und auf ein sinnvolles Tool hinweisen, welches in jeder CMS Umsetzung seine Berechtigung finden sollte.

Das Hinweisgebersystem für mittelständische Unternehmen und Komunen

Hat das Compliance Management bei der wirecard versagt, geschlafen oder waren zu wenige Anhaltspunkte für Verdachtsmeldungen gegeben? Ebenso erlaubt sich die Frage. Wurden Hinweisgeber mundtot gemacht und u.U. auch bedroht. Viele Presseberichte und TV Produktionen hat es zum Fall wirecard gegeben und vieles hat man daraus gelernt.

EU Whistleblower Verordnung 

Die EU Whistleblower Verordnung tritt am 17.12.2021 in Kraft, was bedeutet, dass Unternehmen ab 50 Mitarbeiter und Kommunen ab 15.000 Einwohner ein anonymes Hinweisgebersystem mit unterschiedlichen Meldewegen bereitstellen müssen. So soll sichergestellt werden, dass Mitarbeiter, Geschäftspartner und Kunden Auffälligkeiten in einer Unternehmung anonym verfassen und mitteilen können.

Sind Sie aktuell auf der Suche nach einem anonymen Hinweisgebersystem?

Wenn dem So ist, dann schauen Sie sich unverbindlich unser Demo Hinweisgebersystem an. Haben Sie dazu Fragen und/oder wünschen Sie hierzu ergänzende Informationen, dann freue ich mich auf Ihren Demo Hinweisgebersystem