wirecard insolvenz

Corona  bricht der Wirtschaft, zumindest einigen Bereichen daraus, das Genick. Ungewollt werden im Herbst zahlreiche Unternehmen Insolvenz anmelden müssen und zahlreiche Solo Selbständige ihren Gewerbeschein mit der Arbeitslosigkeit und der damit verbundenen Jobsuche abgeben.

Wirecard, Gewinner der Corona Krise?

Oh ja, so schien es. Klar, Corona hat die Menschen im Haus gehalten, das Vergnügen Shopping auf Aldi, Lidl und Co begrenzt und somit den oftmals verhassten Online Handel mit Leben gefüllt. Leben aus dem auch der Payment Solutions Anbieter Wirecard in vollen Zügen hätte schöpfen können und mit Sicherheit auch den Einen oder Anderen Umsatzzuwachs verbuchen konnte. Aber was wurde aus dieser wundersamen Geldvermehrung? Ein Wirecard Desaster!?

Wirecard Drama Dank Financial Times und andere Print Medien

Schnell war es vorbei mit der Herrlichkeit. Einige unbelehrbare Journalisten haben sich tiefsinniger mit Wirecard beschäftigt, das wundersame Geschäftsmodell unter die Lupe genommen und darauf aufgesetzt was die Financial Times schon im vergangenen Jahr vermutet und angedeutet hat. Erstmal blieb alles ohne Folgen (was Wirecard betrifft). Bafin, Analysten stellten sich schützend vor die Wirecard, straften die Journalisten ab und ließen Wirecard Strafanträge gegen die Financial Times Journalisten stellen.

Schon 2016 wurde im berühmt berüchtigten Zattara Bericht auf eventuelle Ungereimtheiten hingewiesen. Aber niemand interessierte sich für den Bericht. Im Gegenteil. Die Staatsanwaltschaft schlug auf den Verfasser ein und damit war die Sache wieder ganz schnell vom Tisch. Hätte man schon damals professioneller agiert, hätte mit Sicherheit viel Unheil verhindert werden können. Aber der aufsteigenden Wirecard (Phoenix aus der Asche) fiel man nicht in den Rücken, man lies sie weiter gewähren und fragt sich heute allen Ernstes: Wie konnte denn nur das Wirecard Desaster entstehen?

Die Wirecard Glücksbringer

Immer zur Stelle. Die so fachkundigen Analysten. Was haben diese das Geschäftsmodell Wirecard in den Himmel gehoben. Traumhafte Aussichten wurden gemacht, utopische Börsenwerte in Aussicht gestellt und worauf basierend? Auf mangelnde Fachkenntnis?

Ganz klar, ja, Man muss schon wissen was ein Unternehmen Wirecard tut und auch das Geschäftsmodell verstehen. Tut man dieses, dann wird man sehr schnell erkennen, dass an diesem so hochgelobten Geschäftsmodell keine Gewinne in Milliardenhöhe zu generieren sind. Es wird simpel Geld von A nach B geschoben, dafür eine Gebühr im einstelligen Prozent Bereich berechnet und das war es auch schon.

Schaut man sich nun im deutschsprachigen E-Commerce Bereich genauer um wird man feststellen das 70% des Online Handels auf Amazon, Zalando und diverse Plattformen entfallen. Schaut man noch genauer hin wird man feststellen das keiner dieser E-Commerce Giganten auf die Payment Technologie von Wirecard gesetzt hat.

Aber das nur betreffend für den deutschen Markt aber die Vermutung liegt nahe das es auch für andere, zumindest europäische Länder ähnlich zu bewerten ist.

Also wo soll denn in diesem hart umkämpften Segment die gigantische Umsatzmaschine zum Laufen gekommen sein? Man muss auch bedenken das Wirecard nicht alleine auf der Welt ist. Von Analysten wie ein Platzhirsch bewertet, ist Wirecard nur eines von zahlreichen anderen Payment Unternehmen.

Terminal Zahlungen mit Wirecard/ POS

Auch was diesen Bereich betrifft wurde Wirecard immer als Top Player dargestellt. Im Ergebnis ist aber nun so, dass Wirecard auch hier eher eine Randerscheinung ist. Zu viele Anbieter tummeln sich in diesem Segment und jede Hausbank kann ihren Geschäftskunden diese Leistung anbieten. Warum also Wirecard wenn es oftmals einfacher und günstiger geht.

Egal was man bei Wirecard auch gemacht hat, alles wurde in gigantischen Höhen bewertet und letztendlich war alles simpler Standard.

Wirecard und das Dritt-Partner Geschäft

Auch hier fällt es allen am Fall Wirecard beteiligten Personen, Instanzen, Behörden und wohl auch Prüfungsgesellschaften sehr schwer das System zu verstehen. Glückwunsch an die Journalisten der Wirtschaftswoche die mit ihrem Beitrag “Was treiben Wirecards Partner in Dubai” komplett in die richtige Richtung navigiert haben aber dann doch letztendlich auch nur einen Warnschuss abgeben konnten. Einen weiteren Warnschuss wurde dann mit dem Beitrag “ein Mitarbeiter der nichts weiß” abgegeben aber auch dieser verfehlte das Ziel, jedenfalls bei den Stellen die nun hätten reagieren müssen.

Wirecard und was man daraus lernen kann

Ein von Aktionären getriebenes Unternehmen muss immer Vollgas laufen. Es muss einfach immer nur die Zahlen nach oben bringen, denn bin ich oben verdiene ich Geld. Bei Wirecard wurde eben durch das Wirecard Management dieser enorme Druck künstlich aufgebaut und mit der Erkenntnis “wie werde ich sie los, die Geister welche ich rief?”. So einfach wohl dann nicht, man musste kreativ werden mit dem Wissen – “aber niemals konnte  etwas nachgewiesen werden was dann bedeuten kann , dass man sich geschickter verhalten hat als andere.”

Schlechtes Reputationsmanagement seitens Wirecard

Schlechter geht nimmer. In den letzten Wochen hat Wirecard eine grottenschlechte Aussendarstellung vermittelt. Ging es darum angebliche Top Deals in die Presse zu katapultieren war man hier schon mutiger. Aber in Sachen “Eigen-Kritik” konnte man nichts brauchbares vermelden ausser dass man nichts weiß oder Opfer einer Straftat geworden ist. Genau diese arrogante Aussendarstellung hat mit Sicherheit zahlreichen Klein-Anlegern das Genick gebrochen, denn ein Unternehmen welches sich als Opfer sieht, dem vertraut man ja gerne. Obwohl das Wirecard Management genau wusste dass die Opferrolle, wie auch die Milliarden  auf den Philippinen nicht existent sind, hat man dieses der Öffentlichkeit, den Behörden und den Anlegern ins Ohr getrommelt. Orientiert man sich am Sprichwort “ehrlich währt am längsten” dann ist die Wirecard Reputation definitiv in die Hose gegangen auf Kosten vieler Investoren. Das ist bitter, erschreckend und einfach nur feige.

Sharedeals und Wirecard

Zum makaberen Ende noch etwas ungewöhnliches. Während sich die sonst so ziemlich pro Wirecard organisierte Analysten Welt Wirecard Aktien distanzierten, viel eine Plattform in Sachen “Wirecard Kaufempfehlung” unglaubwürdig in den Medien auf. Bis zu letzt haben die Autoren von Sharedeals den wundersamen Geldsegen der Wirecard Aktie propagandiert. Da ich diese Pro Wirecard Trommelei sehr bedenklich eingestuft habe, beschloss ich die Autoren hinsichtlich ihrer bedenklichen Meinungsmache zu hinterfragen. Antworten blieben aus, man trommelte weiter. Erst jetzt, nachdem das Kind wahrlich in einen abgrundtiefen Brunnen gefallen ist (wobei das Ende der Fallstrecke noch nicht erreicht sein dürfte), gab es eine kleinlaute Stellungnahme seitens Sharedeals.

Stellungnahme und User Kommentare Sharedeals

Was da alles an Wirecard Pro Statements gepostet und veröffentlicht wurde kann man auf der Sharedeals Facebook Seite verfolgen. Warum und weshalb so unprofessionell Werbung in Sachen Wirecard Aktie gemacht wurde, bleibt ein Rätsel. Seriös und verlässlich scheint diese Plattform nicht unbedingt.